Konzept Aufsuchende Jugendarbeit

Was ist Aufsuchende Jugendarbeit?

Aufsuchende Jugendarbeit ist eine niederschwellige und gemeinwesenorientierte Unterstützungs-, Vermittlungs- und Integrationsfunktion. Sie geht zu den Jugendlichen hin an die Plätze, wo sie sich aufhalten. Damit bietet die Aufsuchende Jugendarbeit ein ergänzendes Beratungsangebot für Jugendliche. Sie unterstützt die jungen Menschen Ressourcen zu erschliessen und ermöglicht Kontaktaufnahme zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche den einrichtungsgebundenen Angeboten fern bleiben. Aufsuchende Jugendarbeit vermittelt und organisiert den Dialog zwischen den jungen Menschen und anderen Anspruchsgruppen im Sozialisations- und Lebensort "Strasse/öffentlicher Raum" und greift Konfliktpotenzial auf.

Ausgangslage

Aufgrund der verstärkten Orientierung an Gleichaltrigen („Peers“) verändert sich das Freizeitverhalten von Heranwachsenden im Jugendalter grundlegend. Neben dem Engagement in Vereinen oder dem Besuch von Jugendtreffs oder Bars halten sich Jugendliche vermehrt auch im öffentlichen Raum auf und dies meist in Gruppen. Die Aneignung von „eigenen“ Räumen und das Ausloten von Grenzen sind für die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen wichtig, kann aber für andere störend sein. Problemthemen sind Respektlosigkeit, Vandalismus, Nachtruhestörung, Littering, Konsum von Suchtmitteln (Tabak, Alkohol, Cannabis, etc.), nächtliches Abhängen von schulpflichtigen Kindern oder Gewalt.

Vision

Die Regionale Jugendarbeit MOJAS fördert ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den zuständigen Gemeindegebieten. Die Jugendarbeit trägt zu einer gelingenden Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in den Anschlussgemeinden bei.

Ziele

  • Jugendliche werden regelmässig an ihren Treffpunkten und in ihren sozialen Räumen aufgesucht.
  • Die Jugendarbeit kennt die Jugendlichen bzw. Jugendgruppen, die sich an neuralgischen Punkten bewegen. Beziehungen zu Jugendlichen werden aufgebaut, bestehende und sich neu formierende Gruppen können erfasst werden und die Jugendarbeitenden lernen die Lebenswelt und die damit verbundenen Verhaltensweisen und Probleme der Jugendlichen kennen.
  • Aus den Kontakten beim Aufsuchen ergeben sich verschiedene Anknüpfungspunkte für Projekt- und Präventionsarbeit, Konfliktbewältigung, Informationsvermittlung.


Zielgruppe

Primär Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren. Sekundär sind junge Erwachsene über 16 Jahre, welche sich regelmässig in Gruppen im öffentlichen Raum aufhalten.

Haltungen und Arbeitsprinzipien

Die Jugendarbeit arbeitet in ihrer aufsuchenden Form:
  • Akzeptierend
    In der aufsuchenden Arbeit wird der Fokus auf eine akzeptierende Haltung gelegt. Verhaltensweisen werden akzeptiert um auf dieser Basis der Beziehungsgestaltung zu Themen wie Alkohol, Tabak oder Cannabis in eine konstruktive Auseinandersetzung zu treten.
  • Ermöglichend
    Von ordnungspolitischen Aufträgen wird Abstand genommen. Für Ruhe und Ordnung in einem Gemeinwesen sorgen die Polizei oder private Sicherheitskräfte. Die Jugendarbeit nimmt in diesem Sinn keine Rolle als Aufsichtsbehörde im öffentlichen Raum ein.
  • Authentisch
    Die Jugendarbeitenden sorgen für eine Kontinuität in ihrem Verhalten. Problematisches Verhalten wird thematisiert. Droht eine Situation zu eskalieren wird unverzüglich die Polizei alarmiert.


Arbeitsinstrumente

Kontaktaufnahme
Die Kontaktaufnahme als Besuchende in der Lebenswelt einer Gruppe Versammelter kann mit unsicheren Gefühlen auf Seiten der Jugendarbeitenden verbunden sein. Diese arbeiten daher wenn möglich zu zweit und bereiten sich vorher auf die Situation vor.

Wer ist vor Ort? Mit welcher Gruppe haben wir es zu tun? In welchem Zustand befinden sich einzelne Leute in dieser Gruppe? Wie ist die Stimmung?

Beziehungen aufbauen und aufrechterhalten
Das hauptsächliche Mittel der Jugendarbeit sind freiwillige Beziehungen zu den Jugendlichen. Die Jugendarbeitenden drängen sich nicht auf und vollziehen keine Massnahmen, die diese Beziehungen gefährden. Im Rahmen von stabilen und vertrauensvollen Beziehungen zu Jugendlichen im öffentlichen Raum ist es möglich, konfrontativ mit Jugendlichen zu arbeiten.

Informieren
Jugendliche im öffentlichen Raum werden über aktuelle jugendrelevante Angebote und Geschehnisse sowie über Regeln und Normen im öffentlichen Raum informiert.

Verbalisieren
Die Jugendarbeitenden sprechen dieselben Themen wie in der Treffarbeit an. („Warum trinkst du?“ „Fühlst du dich wohl, wenn er dich so anfasst?“ „Wissen deine Eltern, dass du jetzt noch unterwegs bist?“)

Aktivieren
Die Jugendlichen werden befähigt, ihre Anliegen entweder selbst zu vertreten oder in partizipativen Projekten mit den Jugendarbeitenden umzusetzen. Zudem werden Jugendliche befähigt, an Gemeindeprozessen teilzunehmen („Wie ist es für dich, in deiner Gemeinde zu wohnen?“ „Was gefällt dir?“).

Intervenieren
Die Jugendarbeitenden intervenieren bei Verhalten, die bestimmte Grenzen überschreiten, ohne sich selbst aber in Gefahr zu bringen. Dies ist insbesondere dann angezeigt, wenn Jugendliche sich selbst oder andere gefährden können (Sicherheit geht vor Akzeptanz). Bei Gewalt (Schlägerei) wird die Polizei alarmiert. Wenn Jugendliche wegen Alkohol- oder Drogenkonsums stark berauscht sind, wird eine Möglichkeit gesucht, wie diese sicher nach Hause kommen. Im Idealfall werden ihre Kolleginnen und Kollegen befähigt, die Eltern zu kontaktieren und für sie den Heimtransport zu aktivieren.

Vermitteln
Die Jugendarbeitenden bieten ihre Unterstützung an bei Konflikten zu vermitteln oder gegebenenfalls anwaltschaftlich die Anliegen der Jugendlichen zu vertreten.

Qualitätssicherung
Die Jugendarbeitenden protokollieren und dokumentieren ihre Beobachtungen, die Gesprächsthemen, etc. in einem " Protokoll Aufsuchende Jugendarbeit" und besprechen das Vorgefallene in Teamsitzungen.

(Vorlage "Konzept Aufsuchende Jugendarbeit, Kirchberg vom August 2011)

Momentan wird die Aufsuchende Jugendarbeit in den Gemeinen Mels und Sargans angeboten.
DANKE FÜR DIE UNTERSTÜTZUNG


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